Wie verändert Künstliche Intelligenz die Art und Weise, wie wir Software entwickeln? Am 21. April 2026 widmete sich der KI-Stammtisch des Mittelstand-Digital Zentrums Ilmenau mit ca. 45 Teilnehmenden einem der aktuell spannendsten Themen der Tech-Welt: dem praktischen Einsatz von KI-Agenten in der Programmierung. Im Fokus stand dabei das neue Tool „Claude Code“ von Anthropic. Unter dem Titel „Mit KI KI-Tools bauen“ gab Norbert Rost, Geschäftsführer der futureprojects GmbH, exklusive Einblicke in den Arbeitsalltag der Programmierer. Das Unternehmen, das bereits seit 2025 konsequent auf KI-Assistenten setzt, zeigte auf, dass moderne Softwareentwicklung längst über einfaches „Copy & Paste“ von Code-Schnipseln hinausgeht. Die futureprojects GmbH nutzt diese Technologie bereits heute, um spezialisierte KI-Assistenten für KMU zu entwickeln, etwa für die Automatisierung von E-Mail-Antworten oder die Erstellung von Angeboten aus Kundenanfragen.
Claude Code: Mehr als nur ein Chatbot
Während viele Nutzer KI primär als Browser-Chat kennen, arbeitet Claude Code als agentisches System direkt im Terminal des Entwicklers. Der entscheidende Vorteil: Das Tool versteht nicht nur isolierte Befehle, sondern erfasst die gesamte Codebasis eines Projekts. Norbert Rost demonstrierte eindrucksvoll und anhand eines zu programmierenden Browser-Games die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Hierzu gehört v.a. die Automatisierung, denn Claude Code schreibt eigenständig Funktionen, führt Tests aus und behebt gefundene Fehler. Die KI fungiert als Sparringspartner für Code-Reviews und berät bei komplexen Architektur- und Konzeptfragen. Sie ist damit also auch ein Tool für die Qualitätssicherung. Große Teile des Codes entstehen mittlerweile maschinell, was den Entwicklern erlaubt, sich stärker auf die logische Konzeption und die Lösung von Kundenproblemen zu konzentrieren.
Herausforderungen und Praxistipps
Trotz der beeindruckenden Leistungsfähigkeit wurde beim Stammtisch auch offen über Hürden gesprochen. Ein zentrales Thema war die Code-Qualität und die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle. Die Teilnehmer diskutierten intensiv darüber, wie sich das Rollenbild des Programmierers wandelt: Weg vom rein schreibenden „Handwerker“, hin zum steuernden „Orchestrator“ von KI-Agenten. Fraglich blieb, wie Programmierer mit diesen Tools in Zukunft eigenständig programmieren lernen und damit die Qualität zuverlässig sichern können. Die Automatisierung könnte damit den Human-in-the-Loop zumindest in Frage stellen, wenn der Mensch nicht mehr über die notwendigen Kompetenzen und entsprechendes Detailwissen verfügt. Diese Entwicklungen auszugleichen dürfte insbesondere in der Ausbildung von Softwareentwicklern eine tragende Rolle spielen.
Fazit und Ausblick
Der Stammtisch machte deutlich: Der Einsatz von agentischen KI-Tools wie Claude Code ist für kleine und mittlere Unternehmen keine ferne Zukunftsmusik mehr, sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Die Veranstaltung bot nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine Plattform für den ehrlichen Erfahrungsaustausch zwischen Entwicklern und Anwendern. Wir danken Herrn Rost sehr herzlich für den fundierten Input!
Der KI-Stammtisch findet regelmäßig statt und beleuchtet jeweils wechselnde Schwerpunkte rund um die praktische Anwendung von Künstlicher Intelligenz im Mittelstand.
Bei Fragen zum Thema wenden Sie sich gern an:
Dr. Sebastian Gerth
Koordinierender KI-Trainer, Modellfabrik Vernetzung
E-Mail: gerth@kompetenzzentrum-ilmenau.de
Bildquellen
- Programmiercode: © Tyli Jura - Pixabay






