Wie verändert Künstliche Intelligenz die Art und Weise, wie wir Software entwickeln, und wie behalten wir dabei die inhaltliche Kontrolle? Diesen Fragen widmete sich der KI-Stammtisch des Mittelstand-Digital Zentrums Ilmenau am 12. Mai 2026 und knüpfte damit direkt an die zentrale These des vorangegangenen KI-Stammtischs „Claude Code im Praxiseinsatz“ mit Norbert Rost an: Die Rolle von Softwareentwicklern verschiebt sich vom Code-Schreiben auf die Konzeption und das Überprüfen. Unter dem Titel „KI-generierter Code auf dem Prüfstand: Syntax gut, Logik auch?“ gab René Preuss von der Leapter GmbH spannende Einblicke in einen möglichen Entwicklungspfad der Softwareentwicklung hin zur Verifikation von KI-generierter Software.
Das fehlende Bindeglied: Blueprints statt Vibe Coding
René Preuss stellte den Ansatz seines Unternehmens als das „Missing Link“ vor – also das fehlende Bindeglied zwischen zwei älteren Programmieransätzen: dem Visual Programming (Programmierung mithilfe visueller Elemente wie Diagrammen statt reinem Code) und dem Literate Programming (eine Methode, bei der Code und erklärender Text eng miteinander kombiniert werden).
Diese beiden Ansätze galten lange als wenig erfolgreich. Laut Preuss lag das vor allem daran, dass Nutzerinnen und Nutzer trotz dieser Methoden weiterhin fundierte Programmierkenntnisse benötigten.
Deshalb waren Anwendungen, die auf Literate Programming basierten, oft hauptsächlich für sogenannte Maintainer (Personen, die den Code betreuen und weiterentwickeln) gedacht. Diese verstanden den Code ohnehin direkt („nativ“), sodass zusätzliche erklärende Texte (Prosa) für sie kaum einen Mehrwert boten und eher überflüssig wirkten.
Die von der Leapter GmbH entwickelte Lösung setzt genau hier an: Sie hält erklärenden Text (Prosa) und Programmlogik automatisch synchron. Man kann sich das wie eine Übersetzung zwischen menschlicher Sprache und einem strukturierten Diagramm vorstellen.
Mithilfe von sogenannten Prompts (Texteingaben, mit denen man eine KI steuert) werden visuelle, klar nachvollziehbare Blueprints (Strukturpläne oder Ablaufdiagramme) erzeugt. Diese helfen dabei, den von der KI generierten Code direkt inhaltlich zu überprüfen und auf seine zugrunde liegende Logik hin zu verstehen.
Im Gegensatz zum sogenannten „Vibe Coding“ (einem eher intuitiven Arbeiten mit KI, bei dem man Ergebnisse akzeptiert, ohne sie vollständig nachvollziehen zu können) ermöglicht dieses System eine verlässliche und überprüfbare Kontrolle („harte Verifikation“) der Ergebnisse.
Es ist unbestritten, dass KI das Vibe Coding deutlich verbessert hat. René Preuss sieht darin sogar einen Auslöser für einen grundlegenden Wandel in Unternehmen: Fachabteilungen, die bislang nur Anforderungen an die IT gestellt haben, könnten künftig selbst aktiv eigene Softwarelösungen entwickeln und gestalten.
Herausforderungen und Praxisfragen
In der anschließenden Diskussion unter den 19 Teilnehmenden stand aus Entwicklersicht vor allem das Code-Debugging sowie der generelle Praxiseinsatz im Mittelpunkt. Ob sich der Ansatz langfristig durchsetzt, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie reibungslos sich das Blueprint-Konzept in etablierte und oftmals starre Codebasen von Unternehmen integrieren lässt.
Fazit und Ausblick
Die Veranstaltung machte deutlich, dass die KI-gestützte Softwareentwicklung nicht beim reinen Generieren von Code stehenbleibt. Die Überprüfbarkeit und die Verifikation der Geschäftslogik sind der nächste logische Schritt. Die Leapter GmbH befindet sich in einer frühen Entwicklungsphase und sucht aktiv nach Unternehmen, die das System erstmals im praktischen Einsatz testen möchten – eine spannende Gelegenheit für KMU, frühzeitig Erfahrungen mit verifizierbarem, KI-generiertem Code zu sammeln.
Wir danken René Preuss herzlich für den fundierten Input!
Bei Fragen zur Veranstaltung wenden Sie sich gern an:
Karsten Jahn
Modellfabrik Virtualisierung
E-Mail: jahn@kompetenzzentrum-ilmenau.de
Bildquellen
- KI-Stammtisch Logik im Code: © acatxio, stocksnap - Pixabay






